The cat is in the sack

Von alten Männern mit Potenzproblemen, humorigen Kameramännern, genialen Werbern, einer Spielerfrau auf Abwegen, der Schönheit der Natur – und einem unfassbar albernen Fußballspiel. Arthur quält sich zu Kohärentem über Bayern gegen Villareal und ist dabei kurz angebunden wie ein Hund vorm Supermarkt.

Der Aphorismus von Flaschensammler und Joghurtliebhaber Trapattoni destilliert die Quintessenz aus dem gestrigen Champinonsleaguespiel: „The cat is in the sack!“ Pflicht erfüllt, Spanier abgewatscht, 800000 Euro mehr auf dem Konto, Gruppensieg gesichert, gut is, habe fertig. Und eigentlich sollte man es bei diesem Bonmot bewenden lassen. Dennoch klaubt Arthur das wenige Sagbare zusammen und sieht sich dabei zur Flucht in Randnotizen gezwungen.

Nur geweint haben sie nicht, die hilflosen Spanier 

Starke Tendenz zum Doppelkinn, eingefallene Schultern, Wampe. Was aussieht wie der glückliche Dorfschwarm und Edeltechniker des SSV Koepenick-Oberspree II ist Joan Oriol, seines Zeichens Kicker beim spanischen Erstligisten und – nach dem gestrigen Spiel geht es nur schwer von den Lippen – Champions-League-Teilnehmer FC Villareal. Dieser Joan Oriol macht ziemlich evident, wie es um seinen Club derzeit bestellt ist. Folgerichtig bemitleidenswert und hilflos wie eine Nussschale auf hoher See präsentierten sich die Spanier im roten Schlauchboot Allianz-Arena: Zwei unfassbare Fehlpässe führen zu den Gegentoren eins und drei, bei denen sich der dick eingepackte Goalie Diego Lopez dem heraneilenden Ribéry vor die Füße legt wie ein suizidgefährdetes Jagdwild. Marianengrabenmäßige Löcher tun sich im Defensivverbund auf und der Abwehrriegel ist so fest wie ein Snickers – ohne Erdnüsse und Schokomantel.                                                                                                             Rückschlüsse auf die Verfassung des FCB und den Verdauungsprozess der Dortmund-Niederlage lässt das Spiel nicht zu. Zu loben ist DonJupp, der sich geläutert zeigte und seinen Lieblings- Zwischenspieler wieder auf seine inzwischen liebgewonnene Position in Strafraumnähe beorderte. Toni bedankte sich mit einigen Edelpässen auf Ribéry, Robben und Gomez, ließ aber weiterhin eine latente Neigung zum netzerschen Standfußball erkennen. Gutelaunebär Thomas Müller war zunächst als Olic-Bespasser eingeteilt und nahm neben dem Kroaten auf der Bank Platz, während David Alaba von Beginn an neben Anatoliy die Fäden ziehen durfte und das auch zahnarzthelferinnenmäßig geschickt anstellte. Arjen Robben bot das Spiel derweil eine nette Gelegenheit zum Anschwitzen auf europäischem Parkett, auf dem ein bestens aufgelegter Franck diverse Tänzchen vollführte. Für den schönsten Moment des Spiels sorgte aber eine ins Stadion wabernde und im Flutlicht schimmernde Nebelbank. Ein Naturschauspiel, das sogar den welterfahrenen Edelmann Fritz von Thurn und Taxis zu beeindrucken wusste. Die Erkentnisse des Spiels fasst Franck Ribéry zusammen: “Wir sind Bayern München, das ist gut.”

Sammer nimmt den Mund zu voll

Während dem alten Mann so langsam auch die letzten Härchen auzufallen drohen, fühlt sich der Sportdirektor von Ribérys Liegestütz-Torjubel zum Beweis seiner Jugend herausgefordert und kündigt für den Fall des Championsleague-Sieges der Bayern „70-80 Liegestütze“ an. Der Sky-Kameramann reagiert mit Humor und zeigt Lebemann Sammer (Ribéry: „ich habe mit ihm in einer Boulangerie in Frankreich schon Croissants gegessen“) nach dieser vollmundigen Ankündigung nur noch aus der Heldenperspektive von schräg unten.

Werbegag  
Der Google-Werbedienst auf morgenpost.de reagiert auf seine Art auf die einseitige Langeweile des Spiels und richtet seinen Anzeigeblock an all diejenigen, die durch ein Nickerchen vor dem Fernseher den häuslichen Frieden gefährdeten und dafür von ihren Familien ordentlich aufs Dach bekamen.

Brandnerheiß 

Während unserem Schlüssel(bein)spieler im wahrsten Sinne des Wortes die Hände gebunden sind, lässt Freundin Sarah Brandner als Axe-Testimonial die Hüllen fallen und räkelt sich für den Axe-Adventskalender vor der Kamera. Während Sarah also Körperkult betreibt, gibt sich der Liebesmann ganz unkultig und lehnt den Vorschlag der Ärzte ab, die bleibende 15 cm Narbe mit einem Tattoo zu überdecken. “Die Narbe ist für mich kein Problem. Das finde ich nicht schlimm.”  Schweinsteiger ganz männlich und außerdem auf dem Weg der Besserung. Auch Autofahren kann er schon wieder selbst: “Damit ist Steffen Hamann als Chauffeur gefeuert. Aber ich muss sagen: Er hat einen super Job gemacht.”

Mit prosaischen Grüßen verbleibt,

Euer Arthur

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