Kurzmitteilung

Puh! oder: Puuhha!

Ribéry mit dem Oscar für den besten Hauptdarsteller und mit Taurin im Blut, Jerome Boateng, der Prinz von Charlottenburg, glänzt mit Käfig-Tugenden vom aller Feinsten, und Nebenmann Holger brüllt sich aufs nächste Level. Derweil erlebt Herr Hildebrandt seine Karriere im 90 Minuten Zeitraffer, Jupp-Ziehsohn Kroos findet seinen Platz und bei Mario platzt der Knoten nicht. Mit einem Durchatmen, dass Arnautovic in Bremen noch der Iro zittert, und frei nach dem Motto „Was interessiert mich mein Geschwätz von Gestern“: Arthur.

BVB-Fans. Oder so ähnlich

Den größten Aufreger gibt’s noch vor dem Spiel: Einige Dortmund-Fans in Arthurs Umfeld wünschen sich hinter vorgehaltenem Fan-Schal ein Unentschieden -von einem 2:2 und Höwedes Tor für den Erzfeind ist da die Rede-, manche brüllen sogar mit der Verblendung auf der Zunge lautstark für einen Schalke-Sieg. Da muss der Schwarz-Gelbe Mob wohl aufpassen, dass ihm vor lauter Tabellenführungsadrenalin nicht endgültig die Augen zu Meisterschalen und das Herz zu königsblauem Eis wird. Arthur für seinen Teil ist kurz davor Sittenwächter Großkreutz vorbeizuschicken.

Ziehsohn Erziehung

Einen Blumenstrauß vorbeischicken wird er auf jeden Fall bei Familie Heynckes. Nachdem DonJupp nach dem verbaselten Champions-League-Auftritt arge Schmähungen über sich ergehen lassen musste und tiefgehende Systemkritik die ersten Tapser auf dem bombenfesten Fußballlehrerthron hinterließ, bewies er bei seiner Aufstellung Mut: Schickte Arthurs Lieblingsdoppelsechs mit Feingeist Alaba und Balldieb Gustavo auf den Rasen und ließ Anatoliy, den angenehmsten Nebensitzer der Welt, seine Kumpels Pranjic und Olic bespaßen; Fand für den Raumdeuter und König Arjen nebeneinander Platz und sorgte damit dafür, dass die Sky-Bildregie wieder Fußball zeigte, anstatt 90 Minuten lang zwischen Müller und einem angesäuerten Arjen hin- und herzuschalten. Dafür durfte Lieblingsschüler Toni Kroos seinen Bewegungsdrang der letzten Wochen am dafür am besten geeigneten Platz austoben: auf der Ersatzbank.

Dampflok, Stierkampf, Reife Leistung

Und das sollte sich bezahlt machen. Zunächst nahm zwar Schlacke das Heft in die Hand und Fähnchen Reif brauchte handgestoppte 60 Sekunden um zu wissen, dass die Pottler die Bayern frisch machen würden wie ein Neugeborenes, wobei er ein Hiobs-Timbre auflegte, als wäre der FCB für die nächsten 10 Jahre zum BVB-Stiefellecker-Dasein verdammt und als würden alle Rotwein-Pipelines zur Reifschen Villa Hahnenwasser führen. Dann aber drehten die Münchener auf wie Marcell die Rotwein-Pipeline nach Feierabend und drehten das Ding mit der Geschwindigkeit eines Amsterdam-Touristen. Müller, Ribéry und Robben tauschten ihre Positionen wie Panini-Bilder auf dem Schulhof und waren deshalb für die träge Schalker Hintermannschaft nie zu greifen. Franck dribbelte irgendwo zwischen Dampflok, TGV und Ballet de l´opéra de Paris und in grenzenlosem Altruismus steckte Arjen Bälle in den 16er, die durch die Schalker Hintermannschaft glitten wie Messer durch weiche Butter. Thomas blieb zwar in letzter Konsequenz glücklos, selbst der bebrillteste Fußballgott wird aber ein Einsehen haben und den Grasnarben-aufreißenden Kampf in naher Zukunft (spätestens also nach dem Ritt durch Jogis Wohlfühloase) mit aufsteigender Form belohnen. Den Bayern-Dampf belohnte dann Franck und ließ damit reihenweise Knoten platzen und Steine von Herzen fallen: Nach einem feinen Gustl-Pass steht er für einen bis zum Hals pochenden Herzschlag in der Luft, spitzelt den Ball mit der Fußspitze über Hildebrandt und vollstreckt quasi im Abdrehen aus der Luft.  Dann ein Torjubel bei dem keine Wünsche offen bleiben: Kurzes animalisches Anspringen mit den Kollegen, Trainer-High-Five für die Pressemeute, losgelöster Taumel mit drei Stiernacken-Kumpels in der Kurve. Referee Weiner schreibt sich die Choreographie auf den gelben Spickzettel. Damit war das Spiel gelaufen. Bayern lässt noch eine Million hochkarätiger Chancen liegen, Marcell Reif faselt unter dem Zapfhahn liegend von einem Rausch, in den sich der FCB spielt, unter den Bayern-Spielern werden mehr „Daumen-hoch“ verteilt als auf facebook und Franck sorgt mit seinem zweiten Streich für das Endergebnis. Insgesamt: Viele traumhafte Einzelaktionen, einige schöne Kombinationen, hervorragender Einsatz und Wille, einigermaßen schäbige Schalker. Kurz: Kreativität und Maloche im besten Sinne.

Oscars

Ein besonderes Lob verdienen sich hierbei die zwei Türme in der Innenverteidigung Jerome und Holger. Ersterer glänzte mit Basketball-Athletik und bierruhigen Hartplatz-Fertigkeiten in Bierdeckel-großen Räumen, letzterer mit Präsidenten-Ausstrahlung, Bildband-Grätschen und Kamasutra-Expertise im Stellungsspiel. Neben den groß aufspielenden Robben und Ribéry machte auch der aufwindige Philipp ein gutes Spiel. Katze Neuer bewies unter den pflichtbewussten Pfiffen einiger Schalker wieder alte Bärenstärke und trotz einiger Unsicherheiten: Es macht einfach Spaß in Alaba einem Spieler zuzusehen, dem der Ball am Fuß klebt und der ihn schlafwandlerisch kontrollieren kann.

Goldene Himbeeren und ein Lebenswerk

Die einzigen Wehmutströpfchen: Dem schönen Mario will derzeit überhaupt nichts gelingen. Im Strafraum, seinem eigentlichen Wohlfühlbecken, bewegt er sich dieser Tage wie Michael Phelps an Land und trifft bei seinen Laufwegen immer wieder die falsche Entscheidung. Auch Rafinha hat sich trotz großem Aufwand noch nicht freigeschwommen. Und eine winzige Anregung Richtung Trainerbank: Bei der großen Überlegenheit der Bayern hätte man gerne mal einen Herrn Petersen oder einen Herrn Can gesehen. Großmut Anatoliy hätte dafür sicher Verständnis gehabt.

Einen besonderen Abend verlebte derweil Timo Hildebrandt frei nach dem Motto „Eine Karriere in 90 Minuten“: Zunächst furios gegen Müller und Robben wie zu seinen besten Zeiten, dann zu früh draußen gegen Ribéry wie bei seinem Wechsel nach Valencia und dann lange nicht mehr zu sehen und schließlich unglücklich beim zweiten Ribéry-Treffer.

Arthur ist im Glück und freut sich auf alles, was jetzt kommt!

Puh!

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2 Responses to Puh! oder: Puuhha!

  1. Paulko 27. Februar 2012 an 15:14 #

    Ich lese den Blog jetzt schon eine Weile und mir hats gefallen. Weiter so!

  2. Hans 27. Februar 2012 an 13:00 #

    Schlechtestes Irgendwas was ich je gelesen hab!! Mein Beileid, dass sie so eine scheiße schreiben!

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