Die Bayern an diesem Tag ganz in Weiß und mit dem ein oder anderen Edelpraktikanten in der Startformation. Auf der Tribüne flachst Schweini mit van Buyten. Badstuber sitzt daneben und schaut weltklasse-innenverteidiger-mäßig finster. Wahrscheinlich weil er sich fragt, was Sherlock und Watson bei uns auf der Trainerbank zu suchen haben. Die grauen Strenesse Trenchcoats von Jogi und Hansi sind zumindest gewöhnungsbedürftig. Vorallem in der Esprit-Arena. Vielleicht war die Versteigerung des blauen WM-Pullis mit original Bundestrainer-Schweiß doch nicht die beste Idee.
Der Düsseldorfer Rasen präsentiert sich als bestens bestellter Rübenacker. Und es scheint zunächst, als könnte auf dem lockeren Erdreich das zarte Pflänzchen der belgischen Hoffnung gedeihen. Wie wahnsinnig setzen die Belgier jedem Ball nach. So macht das natürlich wenig Spaß. Das sieht auch Mats Hummels so, der ein paar Mal in Nowotny-Manier und gar nicht weltklasse-innenverteidiger-umschaltspiel-mäßig den Ball wegdrischt. Einige motiviert das 10-Spiele-10-Siege-Ding wohl nicht übermäßig. Nur Khedira stochert als hätte er 200 Gramm Rind zwischen den Zähnen. Der geneigte Fan sieht sich genötigt, mit wiederholtem Toilettengang das erlösende erste Tor zu erzwingen. Auch Sherlock gefällt der Umgang seiner Wunderknaben mit dem belgischen Klammergriff nicht. Mit einer „Ich-setze-jetzt-ein-Zeichen“-Geste schickt der Wohlfühloasenkameltreiber die restlichen Stammnomaden zum Warmlaufen. In der 29. dann das erste Semicolon. Der Raumdeuter interpretiert Marios Laufweg richtig, Mario nimmt den holpernden Ball tormaschinen-mäßig mit und scheitert dann. Die anschließende flach ausgeführte Ecke sorgt für einiges Durcheinander im belgischen Strafraum. An der Strafraumgrenze hat Nemo Özil, der ansonsten weitestgehend einen Haar-Band-Auftritt hinlegt, die Schnauze voll und nagelt den Ball zum 1:0 unter die Latte. Wenig später dann der obligatorische Überfallkonter. Safeknacker Özil mit der Eröffnung am eigenen Sechzehner; Handlanger Gomez täuscht den Verstolperer an und spielt, während an den Bildschirmen noch fleißigst stupides Gomez-Bashing betrieben wird, den riesen Pass auf Bankräuber Schürrle. Der scheint mit jedem Schritt zeigen zu wollen, dass er der bessere Poldi ist und netzt dann gekonnt ein. 2:0. Beim anschließenden Torjubel zeigt er der Kamera etwas zu euphorisch, wo auf seinem Trikot der eigene Name steht.
In der Halbzeitpause machen Jean-Marie Pfaff und der ZDF-Titan ein gemütliches Eierschaukeln und aalen sich im Glanz vergangener Tage. Währenddessen legt sich Mario in der Kabine nochmal die Haare und ist damit bereit für das Kamera close-up nach dem 3:0. Von Belgien kommt jetzt nichts mehr. Auch nicht von klein Messi Eden Hazard, den Zidan ja „mit geschlossenen Augen“ verpflichten würde. In der zweiten Halbzeit hätte er mit offenen Augen auch nicht viel mehr von ihm gesehen. Deutschland zelebriert sein aufreizendes endlos Kombinationsspiel, sodass sich Marcell Reif zuhause auf der Couch zu seiner Frau beugt und beteuntungsvoll „Tici-Taca“ murmelt. Die versteht und holt neues Bier.
Die Messe ist gelesen. Sherlock kann bei Reuß, Gündogan und Helmut noch für gute Laune sorgen und später niveagesichtig vor die Mikrofone treten, um die Euphorie zu dämpfen. Auch Fellainis Anschlusstreffer trübt die blendende Stimmung nicht.
Arthur freut sich auf den Ernst des Lebens!

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