Kurzmitteilung

Aus gegebenem Anlass

Jeromes offener Brief an die Liga

Freunde, so hat das keinen Sinn!

Vor dem Spiel hab ich mit meinen Zwillingstöchern im Garten gekickt. Ich sags euch, die haben sich mir an die Wade geklemmt als gäbs keinen Morgen, haben mich keinen Schritt machen lassen, als hätte ich vor, sie im Ikea-Bälleparadies auszusetzen. Und dann komme ich hier an und mache 90 Minuten Schattenboxen.

Freunde, ich stell mich doch nicht meine Kindheit über 24/7 in Berlin-Charlottenburg in den Käfig und klebe mir drei Tonnen Hansaplast über die zerschundenen Knie, trainiere mir 90 Kilogramm Kampfgewicht an, lasse mich in Manchester ein Jahr Tag für Tag von Tevez dem Straßenköter anfallen, um dann hierher zu kommen, wo man mir Spalier steht wie für die Queen auf Staatsbesuch; wo ich über Rechts alles wegsauge wie der Kehrminator in Berlin Morgens um 5 in der Nacht nach dem 1. Mai.

Freunde! Ich bekomme von Jungs aus meiner früheren Straße Sms, ob mir das Fußballspielen nicht fehlen würde. Ich hab so einen Hals! Und das nicht wegen zuviel Training an der Multipresse!

Ich will wieder neben den Holger. Ich hab da eine Mission und die ist noch nicht beendet. Die neue Frisur war nur der erste Schritt. Außerdem vermisse ich auch seine unverstellte Art. Das kann ich zugeben.

Hab doch keine Lust, mir jetzt dauerhaft auf Rechts die Füße wund zu laufen. Aber wie soll ich da jemals wieder runterkommen, wenn ich die Handbremse ins Armaturenbrett reißen kann und es im Laufduell trotzdem aussieht wie Usain Bolt gegen den Rest der Welt.

Freunde! Anatoliy kam nach dem Spiel aufgelöst, unter Tränen zu mir, weil seine Gegenspieler ihre Beine in die Hand genommen haben, wenn er zur Sense angesetzt hat. Wisst ihr wie es für den Kerl ist, ohne gelben Karton ins Bett zu gehen? Der wird zuhause nicht mehr ernst genommen. Der braucht den Sound von krachenden Knochen! Und Franck, Franck hat sich bei mir noch entschuldigt, dass er in der zweiten Halbzeit nicht mehr Vollgas gegeben hat. Er wollte fit sein für das Training morgen, wenn es wieder zur Sache geht. Hat sowieso ewig gedauert bis der verstanden hat, dass das ein Bundesligaspiel ist und nicht testen gegen Bayern III. Wegen Ottl und den anderen Touristen. Manuel kann jetzt Schere-Stein-Papier gegen sich selbst. Das sei die übelste Form der Auflösung des eigenen Ichs, hat er mir gesagt. Seit der nichts mehr zu tun hat dreht der völlig ab. Liest Bücher die dicker sind als der Schwengel von Kevin-Prince. Mit Verlaub. Thomas hat mit Body-Fit für Büroangestellte angefangen. Er sagt er braucht ein bisschen Bewegung zum Ausgleich.

Aber das Schlimmste ist, Freunde, dass ich jetzt bei Mama Hatira zum tunesisch Essen eingeladen bin. Jetzt wo bei mir endlich das Heim-Kino verkabelt ist. Also, ich meins ernst!

Beste Grüße,

Euer JB

Beste Grüße, Euer Arthur

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3 Responses to Aus gegebenem Anlass

  1. Arthur Friedenreich 18. Oktober 2011 an 09:48 #

    Allerbesten Dank!
    Wird sofort verbessert.
    Arthur beruft sich auf die erste literaturwissenschaftliche Lektion: Niemals den Autor für Inhalte verantwortlich machen.

  2. Gast 18. Oktober 2011 an 09:18 #

    Grundsätzlich prima. Aber Jerome war nur ein Jahr in Manchester, oder? Und Mama Hatira kocht tunesisch. (Ehem.) Persien ist da doch eine Ecke weiter östlich.

    Aber die Schreibe an sich: Wie gesagt prima.

  3. BumBumBoka 17. Oktober 2011 an 20:41 #

    Überragend!

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